Schwarz auf Weiß
Von Udo Lemke, 25.01.2012
Der Kunstverein Meißen feiert 20-jähriges Bestehen. Die Jubiläumssaison wird mit einem begnadeten Zeichner eröffnet.
Die Raffinesse liegt in der Beschränkung. Tony Franz arbeitet nur mit Bleistift und Papier. Der 1985 in Zwickau Geborene ist Zeichner – und hier trifft das altertümliche Wort in vollem Sinne zu – ein begnadeter. „An der Zeichnung hängt mein Herz, sie ist kompromissloser als Malerei. Man muss lange überlegen, ehe man ein Schwarz setzt, denn auch der beste Radiergummi löscht keine Linie.“ Und die Zeichnung geht der Malerei voraus, wäre hinzu zu fügen. Nicht nur im Sinne einer Skizze, sondern generell. Sie ist das Aschenputtel der Künste, gering geschätzt und verlacht und doch deren heimliche Königin. Tony Franz gehört zu denen, die ihr die Asche aus dem Gesicht wischen.
Pferde und Kalligrafie
Im Meißner Kunstverein zeigt der an der Dresdner Kunsthochschule Diplomierte keine zehn Blätter. In ihnen gibt er eine Vorstellung von den unerschöpflichen technischen und formalen Möglichkeiten, die das Gespann Bleistift und Papier birgt. Da gibt es eine iPhone-Zeichnung nach einem einfachen Zeichenprogramm und eine Gruppe von Kindern (siehe Abbildung), gezeichnet nach einer Fotografie. Beide stehen für seine Arbeitsweise: Ein elektronisch erzeugtes Bild wird zur Vorlage für die Arbeit ausgesucht und umgeformt.
Und dann beschreibt er den Unterschied zwischen Fotografie und Zeichnung: „Bei der Zeichnung werden die wichtigen Merkmale hervorgehoben.“ Wenn etwa jemand einen Fisch zeichne, dann „zeichnet er alle Fische der Art in einem, weil er die Grundmerkmale der Art fassen will“.
Nichts Liebliches hat die Darstellung von Pferden bei Tony Franz. Auch hier dienen ihm Medienbilder als Vorlage, etwa die von Pferdekämpfen, wie sie in arabischen Ländern oder China arrangiert werden und teils bis zum Tod der Tiere abgehalten werden. Es sind Momentaufnahmen voll roher Gewalt, deren irritierende Wirkung auch daraus resultiert, dass die Tiere detailgenau dargestellt sind wie auf altmeisterlichen Zeichnungen.
„Man nimmt ein Foto pur, als Wahrheit, sobald man es bearbeitet, bekommt es ein Geheimnis.“ In der Meißner Ausstellung steht dafür vor allem das großformatige Blatt eines Hauses. Eines brennenden Hauses, wie das Auge bald erkennt. Das Geheimnis liegt – wie man spätestens seit den Abmalungen Gerhard Richters, die er seit Beginn der 1960er Jahre schuf – in der Unschärfe begründet. Die gestochene Schärfe, der gleichsam erdrückende Detailreichtum der Fotografie wird aufgelöst. Das Eindeutige wird mehrdeutig, das Reale diffus, zweifelhaft.
Für Tony Franz ist Zeichnung auch Schrift, wie zwei typografische Blätter zeigen, die mit Buchstaben und Worten spielen. Für ihn ist sie aber auch Kalligrafie, wie eine weitere großformatige Arbeit zeigt. Sie zeugt von der zeichnerischen Besessenheit, mit der er arbeitet. Fein geschwungene Linien und breitere, mit Grafitstaub aufgetragene, überziehen das Blatt. Sie heben sich weißlich-grau vor dem tief schwarzen Hintergrund ab. Diesen hat Tony Franz „ausgemalt“. In wochenlanger Arbeit hat er mit dem Bleistift das Weiß zwischen den Linien geschwärzt. Gegenstück zu dieser Kärrnerarbeit sind bunte Skulpturen, wie die in Meißen zu sehende, die an eine Kleckerburg erinnern. „Das Lange-an-einem -Blatt-Sitzen ist meditative Arbeit, in der Installation hole ich mir das schnelle Arbeiten zurück.“
Kreide und Kakao
Zwischen seinen Blättern hat Tony Franz in Meißen mit bunter Straßenkreide auf die Wände gemalt. Auf dem Parkett liegen Figuren aus bunter Kreide, etwa nachgegossen von Porzellan-Nippes. In einer früheren Ausstellung hatte Tony Franz Kakaopulver auf den Fußboden gestreut: „Es hat einige Tage gedauert, bis sich der erste Besucher getraut hat, etwas in den Kakaostaub zu zeichnen.“
Ausstellung im Kunstverein Meißen bis 25. Februar dienstags bis freitags 11–18 Uhr und samstags 10–15 Uhr im Bennohaus, Markt 9, 01662 Meißen, Tel./Fax: 03521 476650
Posaunist bringt Bigband-Sound in die Scheune
Sächsische Zeitung, Von Tobias Winzer, 25.01.2012
Mit der “Dresden Bigband” will Michael Winkler neue musikalische Höhen erreichen. Heute spielt die Gruppe zum ersten Mal.Ein bisschen nervös ist Michael Winkler schon. Unruhig rutscht der Dresdner Posaunist, Komponist und Orchesterleiter auf seinem Stuhl hin und her und erzählt in atemlosen Sätzen von seinem neuen Projekt: der “Dresden Bigband”. Heute Abend ist die Gruppe, bestehend aus 20 Musikern, zum ersten Mal zu hören. Ab 20 Uhr tritt sie im Kulturhaus Scheune in der Alaunstraße auf. Der Eintritt für das Gründungskonzert ist frei.
Die Idee für die neue Bigband entstand im vergangenen Sommer aus einer Not heraus. Vertreter des Landesgymnasiums für Musik wünschten sich von Michael Winkler eine eigene Bigband. Der 39-Jährige unterrichtet dort Jazzposaune und leitet die sogenannte “Spezi-Band”, ein Jazz-Ensemble. Seit 1998 betreute er außerdem die Bigband des Heinrich-Schütz-Konservatoriums HSK, eine Gruppe aus aktuellen und ehemaligen Schülern der Einrichtung.”Ich wollte aber nicht zwei Bigbands leiten”, erzählt Michael Winkler. Sein Vorschlag: Die HSK-Bigband wird zur “Dresden Bigband” – eine Kooperation zwischen Landesgymnasium und Heinrich-Schütz-Konservatorium.
Um neue Musiker musste sich Michael Winkler nicht bemühen. Viele seiner Schüler vom Landesgymnasium spielten bereits in der HSK-Bigband mit.Mit der neuen Gruppe hat Michael Winkler einiges vor. “Wir wollen einen eigenen Sound spielen”, sagt er. So werden heute Abend neben Bigband-Klassikern von Count Basie und Peter Herbolzheimer auch selbst geschriebene Stücke und eine Samba-Variante eines Bach-Präludiums zu hören sein. Großes Ziel der Bigband ist aber der Bundeswettbewerb für Jazzorchester im November in Dresden. “Wir wollen dort Sachsen und Dresden gut vertreten”, sagt Michael Winkler.
Ausstellung im Kunstverein Meißen
vom 22.Januar bis 25.Februar 2012
Der Kunstverein Meißen zeigt in seiner ersten Ausstellung im Jubiläumsjahr des 20-jährigen Bestehens, Werke des jungen Dresdner Künstlers Tony Franz in dessen erster Einzelausstellung in Meißen. Die Förderung junger Kunst steht im Vordergrund der Arbeit des Kunstverein Meißen. Mit den Arbeiten von Tony Franz werden außergewöhnliche Zeichnungen eines ohne Zweifel sehr talentieren jungen Künstlers gezeigt, der am Anfang einer sicherlich großen Karriere steht.
Die ausschließlich unter Verwendung des Bleistiftes entstandenen, vorwiegend großformatigen Zeichnungen des Künstlers Tony Franz entführen den Betrachter in die surrealen Grauzonen des menschlichen Daseins. Spannungsreiche Schwarz-Weiß-Kontraste und die meisterhaft filigrane handwerkliche Ausführung beeindrucken im grafischen Spiel mit den Strukturen. Tony Franz greift Sujets aus der schillernden Oberflächlichkeit der Popkultur auf und transformiert diese in düstere Phantasiekonstrukte. Typographie und Zeichnung stehen einer zentralen Installation gegenüber, deren unorthodoxe Antizipation die Atmosphäre märchenhaft verdichtet.
Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Kunstverein Meißen
und der Galerie NEXT aus Dresden.
Webseite der Galerie NEXT: www.galerie-next.com
Webseite Kunstverein Meißen: www.kunstverein-meissen.de
NEUE CD: samt und besonders
Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett
CD Release Party am 24. Januar 2012, ab 20.00 Uhr in der Villa Teresa Coswig
Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett
Seit mehr als drei Jahren stehen und sitzen sie nun gemeinsam auf der Bühne. Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett haben seine bisher erschienenen Bücher zusammen präsentiert („Ich wollte mich mal ausreden lassen“, 2007 und „Zugabe“, 2009). Man lernt Gunther Emmerlich bei diesen Programmen von einer anderen Seite kennen. Er liest aus seinen Büchern und singt mit samtener Stimme Titel, die ihm von Bandleader Micha Winkler buchstäblich auf den Laib geschrieben worden. Arrangements bekannter Titel wie „What a Wonderful World“, „Ol’man River“, das „Wolga-Lied“ oder „Wenn ich einmal reich wär’“ sind darunter ebenso zu finden, wie Eigenkompositionen. Aus dieser Zusammenarbeit ist inzwischen eine nicht nur musikalische Freundschaft entstanden. Nun haben Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett diese Titel aufgenommen und werden ihre erste gemeinsame CD in der Villa Teresa präsentieren – natürlich in Form eines swingenden Konzertes, moderiert auf die unnachahmliche Weise des Grand Seigneurs.
Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett
am 24. Januar, 20 Uhr, in der Villa Teresa
Eintritt: 28 € / erm. 26 € (inkl. Sekt und Snackbuffet)
Villa Teresa: Coswig, Kötitzer Str. 30; Tickethotline: 03523/700186
www.villa-teresa.de
www.michawinkler.de
via bahrmann.de || Kulturinformationen Meißen.
Bilder aus Meißen und Umgebung
Fotos von Daniel Bahrmann
Daniel Bahrmann studierte an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig Freie Kunst mit Diplom und ist seit 2005 freischaffender Künstler in Meißen. Er beschäftigt sich als Künstler mit dem fotografischen Idealbild der Gesellschaft (www.danielbahrmann.de) und arbeitet als angewandter Grafiker und Fotograf zusammen mit dem Meißner Künstler Kay Leonhardt unter dem Label LEO.BAHRMANN. Er ist seit 2006 Vorsitzender des Kunstverein Meißen und Projektleiter des Literaturfest Meißen.
Seit seinem Umzug 2005 nach Meißen fotografiert und dokumentiert er die Entwicklung der Stadt Meißen und ist begeisterter Landschaftsfotograf. Eine Auswahl von Bildern ist auf der Webseite: www.fotografie.bahrmann.de zu betrachten.
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Daniel Bahrmann
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